Radfahren ist praktizierter Umweltschutz. Es ist deshalb erfreulich, dass immer mehr Menschen in einer Großstadt wie Köln das Rad oder E-Bike auf dem Weg zur Arbeit oder für Fahrten durch die Stadt nutzten. Es trägt dazu bei, Schadstoffemissionen und Lärm zu reduzieren. Die Infrastruktur an Radwegen auszubauen, ist deshalb fester Bestandteil unserer modernen Verkehrspolitik im Land NRW mit Verkehrsminister Hendrik Wüst. Zu einem klugen Vorgehen gehört allerdings zwingend, nicht einen Verkehrsteilnehmer gegen den anderen auszuspielen. Dies scheint jedoch gerade die Mehrheit der Bezirksvertretung Innenstadt in Köln zu versuchen.

Chaos und Staus wären programmiert

Während der anstehenden Sanierung der Rheinuferpromenade zwischen Deutzer Brücke und Fischmarkt soll der Radverkehr nach Vorstellungen der Stadt Köln über eine Route durch die Altstadt umgeleitet werden. Doch das gefällt den linken und grünen Bezirkspolitikern nicht. Sie wollen lieber die östliche Röhre des viel befahrenen Rheinufertunnels komplett für den Auto- und LKW-Verkehr sperren lassen, sodass die Stadt diesen Tunnel allein für den Radverkehr freigeben könnte. Der Autoverkehr würde dann mit 50 km/h in beiden Fahrtrichtungen durch die westliche Röhre geführt – womit gewaltige Staus auf einer der wichtigsten Verkehrs- und Transportachsen Kölns programmiert wären. Aber das ist offensichtlich in diesen Gedankenspielen kein Kriterium. Dass die recht steilen Rampen an den Eingängen des Tunnels für den Fahrrad Verkehr sowieso ungeeignet sind, findet ebenfalls keine Berücksichtigung.

Insgesamt ist dieser Vorschlag indiskutabel. Der Ausbau des neuen Kölner Radwegenetzes braucht Zeit und gute Planung und keine ideologisch motivierten Schnellschüsse, die absehbar Verkehrschaos und durch Staus erhöhte Schadstoff-Emissionen produzieren würden. Wahrscheinlich versucht die Fahrradlobby hier indirekt ein anderes Ziel zu erreichen: Aus einer Übergangsregelung könnte eine dauerhafte Lösung werden. Und wäre erst einmal ein Tunnel gewonnen, könnte eine Bahn für die Räder auf der Rheinuferstraße folgen. Diesen Vorschlag haben Fahrradverbände jedenfalls im März vorgebracht. Sie stellen sich vor, die rechte rheinseitige Fahrspur von der Mülheimer bis zur Rodenkirchener Brücke in einen Zweirichtungs-Radweg umzuwandeln. Eine komplette Autospur fiele damit weg.

Leistungsfähige Straßen sind Voraussetzung für autoärmere Zonen

Auch das ist eine schlechte Idee. Als wesentliche Hauptverkehrsader der Stadt Köln muss die Rheinuferstraße für den motorisierten Individualverkehr leistungsfähig bleiben. Die Förderung des Radverkehrs ist wichtig, aber nicht auf dieser zentralen Route, die für die Versorgung der Industrie im Kölner Norden und Süden zuständig ist. 

Da wir die Verkehrswende ernst meinen und klug umsetzen wollen, benötigen wir leistungsfähige Straßen und Brücken für Güter-, Liefer- und Pendlerverkehre, um dadurch viele andere Straßen in Köln autoärmer und damit Köln lebenswerter zu machen. Man darf nicht brachial eine Ideologie durchdrücken wollen – ohne Blick auf die vielen Menschen, die auf das Auto angewiesen bleiben, ohne Blick auf die gesamte Verkehrslage der Stadt. Politik muss mit allen Menschen ausgehandelt werden, die bei uns leben, nicht nur mit partikularen Gruppen. Das ist wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hier bei uns in Köln.