Im Rahmen eines hybriden Werkstattgesprächs der CDU-Landtagsfraktion zum Thema „Innenstädte der Zukunft“ kamen am Dienstag, den 23. November 2021, insgesamt 60 Teilnehmer zusammen, um über Impulse für eine zukunftszugewandte Innenstadtpolitik zu diskutieren. Unter der Moderation von Oliver Kehrl, Beauftragter der CDU-Landtagsfraktion für Handel und vitale Innenstädte, wurde die Debatte mit einem Impulsvortrag von Heimatministerin Ina Scharrenbach eröffnet. Ministerin Scharrenbach hob dabei die Stärke von Nordrhein-Westfalen als bedeutender Handelsstandort hervor. Die Corona-Pandemie hat jedoch zu weiteren Problemen in Innenstädten geführt, der Online-Handel hat den Strukturwandel nochmals verschärft. Deshalb unterstützt die Landesregierung  die Kommunen in Nordrhein-Westfalen mit dem dritten Aufruf für das landeseigene Sofortprogramm zur Belebung der Innenstädte und Zentren mit weiteren 30 Millionen Euro, so dass NRW nunmehr über 100 Millionen Euro Fördergeld zur Verfügung gestellt hat. Damit sollen Innenstädte die Stadt innovativ und nachhaltig umplanen und neue Geschäftsmodelle durch multifunktionale Verknüpfung von Arbeiten, Handel, Wohnen und Produktion erprobt werden. 

Ein Beispiel für solch einen Innovationsraum bietet beispielsweise die _blaenk GmbH aus Köln, dessen Geschäftsführer, Martin Bressem, ebenfalls an dem Werkstattgespräch teilnahm. Durch das Konzept von _blaenk als Pop-Up-Markplatz werden stationärer und digitaler Handel vernetzt werden. Dieser Trend zum Omni-Channel-Geschäft soll nicht nur in großen Städten, sondern auch in ländlichen Gegenden funktionieren. Diese hybriden Handelsformen reflektieren Trends von geändertem Verhalten der Kunden, die sich immer häufiger online informieren und stationär einkaufen, auf diesen Trend wies Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands NRW, in seinem Diskussionsbeitrag hin. 

Deshalb erleben Experimentierfelder in Innenstädten eine immer größere Relevanz, die laut der Center-Managerin Bettina Wisniewski auch in Shopping Centern Anwendung finden. Dafür bedarf es laut Boris Hedde, Geschäftsfüher des Instituts für Handelsforschung (IFH Köln), sowohl von den Kommunen als auch den Anbietern entsprechenden Mut für die Umsetzung. Hier können vor allem von der Stadt bezahlte CITY-Manager dabei helfen, die verscheidenen Akteure zusammenzubringen. Dringend muss die Belebung von Innenstädten und Fußgängerzonen von allen Kommunen als gesamtstädtische Aufgabe angesehen und bearbeitet werden.

Es bedarf aber auch eines vorausschauenden Leerstands- und Ansiedlungsmanagements, damit entsprechende Flächen für den Vitalisierungsprozess von Stadtzentren genutzt werden können. Deshalb beteiligt sich das IFH Köln am Projekt „Stadtlabore für Deutschland: Leerstand und Ansiedlung“. Dieses von Wirtschaftsminister Altmaier ins Leben gerufene Projekt erarbeitet bis Dezmeber 2022 mit 15 deutschen Modellstädten unterschiedlicher Größe ein entsprechendes digitales Tool für eine nachhaltige Zukunftsplanung. ein digitales Leerstandskataster, das die Kommunen gemeinsam mit IT-NRW auf dem Weg zu einem Management der verfügbaren Immobilien aufbauen sollten. Weitere Konzepte im Sinne eines digitalen Leerstandskataster können laut Ministerin Scharrenbach dafür genutzt werden, die verscheindenen Innenstadtakteure zu vernetzen und somit den Leerständen und der Verödung entgegenzuwirken.

Ebenso wurde im Werkstattgespräch der Frage nachgegangen, welche Anpassungen es in der Bauordnung geben muss, um Innovationen und neue Nutzungen zuzulassen. Dazu der CDU-Landtagsabgeordnete Oliver Kehrl: „Zusätzliche Instrumente für die Vitalisierung von Innenstädten sind dringend notwendig, um Faktoren wie Einkaufen, Wohnen, Klima und Stadtentwicklung in Einklang zu bringen. Deshalb ist die Innovationsklausel für unbürokratische Nutzungsänderungen in den bauordnungsrechtliche Vorgaben ein wichtiges Thema, dem sich die NRW-Koalition weiter annehmen wird. Wir haben heute bereits das dritte Werkstattgespräch in der aktuellen Legislaturperiode zur Innenstadtweiterentwicklung geführt. Das zeigt, welche Bedeutung wir dem Thema zuschreiben. Denn die Transformation ist bereits in vollem Gang. Neben zentralen Aspekten wie Sicherheit, Sauberkeit und Erreichbarkeit müssen wir es schaffen, Supermärkte als Frequenzbringer zurückbringen in die Zentren. Hierzu müssen Einzelhandelserlass des Landes und Zentrenkonzepte der Städte innovativer und näher an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden“.