Tag des Veedels am 22. November

Mehr Wertschätzung statt Gängelung durch die Ämter

Der erste Kölner „Tag des Veedels“ wird nicht zufällig am 22. November zelebriert. Eine Woche später findet der sogenannte „Black Friday“ statt, am Freitag nach dem amerikanischen Feiertag Thanksgiving, an dem die Online-Händler ihreKunden weltweit mit Rabatten und Verkaufsaktionen beglücken.

Am „Tag des Veedels“ setzen wir einen Kontrapunkt. Amazon und Co. sind sowieso rund um die Uhr für ihre Kunden da, sieben Tage in der Woche, 24 Stunden. Die Einzelhändler in den zwölf Kölner Stadteilen, die sich an der Aktion beteiligen, öffnen am Freitag immerhin bis 22 Uhr. Allein in meinem Veedel Rodenkirchen machen 69 Geschäfte, Büros und Gastronomen mit. Die Geschäftsleute haben sich einiges ausgedacht, um den Kunden zu zeigen, dass es nicht nur im Netz, sondern auch direkt vor der Haustür viel zu entdecken gibt. Es geht um Aufmerksamkeit für die Strukturen vor Ort, der stationäre Handel im Veedel erfüllt ja nicht nur Versorgungsfunktionen. Er sorgt auch für Zusammenhalt vor Ort, soziale Nähe und vor allem Kommunikation. Somit trägt er dazu bei, ein Heimatgefühl zu vermitteln und Veedelsstolz zu stärken, wie Handelskümmerer Hans-Günter Grawe zurecht betont hat.

Keine weiteren Diskriminierungen zulassen

Die Geschäftsleute benötigen Unterstützung, damit sie überleben können – angesichts der immer noch klaren Wettbewerbsnachteile gegenüber dem Onlinehandel, auf die ich schon oft hingewiesen habe. Während nationale und lokale Händler ihre Steuern brav beim Fiskus anmelden und bezahlen, führen die Internetriesen keine Steuern und Abgaben ab, sondern verschieben ihre Erträge in Steueroasen. Wir müssen gleiche Bedingungen schaffen, dürfen keine weiteren Diskriminierungen des stationären Handels zulassen.Denn wenn die Geschäftsleute aufgeben, verlieren Veedel und Innenstädte ihre Seele. Besonders in kleinen Städten stehen heute bereits reihenweise Geschäfte leer. 

Große Anhörung zum Thema „vitale Innenstädte“

Für die NRW-Landesregierung aus CDU und FDP ist das Thema „vitale Innenstädte“ von großer Bedeutung. Am 13. Dezember findet dazu eine große Anhörung mit Experten und Sachverständigen statt. Wir haben eine Menge Themen zu besprechen: Wie kann der Handel dem Strukturwandel mit eigenen digitalen Angeboten begegnen? Wie können sich Städte besser digital vernetzen und mit den jeweiligen Werbegemeinschaften zielgenauer zusammenarbeiten? Wie kann eine Stadt mit mehr Veranstaltungen, Events und eigener Storyline als Standort attraktiver werden? Wir sprechen mit den Experten auch über Ladenöffnungszeiten im europäischen Kontext und über innovative Ideen zur Vermietung leerstehender Geschäftsräume. 

Es geht nicht allein um den Einzelhandel. Auch die Gastronomie und das Handwerk brauchen mehr Wertschätzung und weniger Gängelung durch die Ämter. Die Stadt Köln sollte als Partner der Geschäftsleute und nicht als ihr Gegenspieler agieren. Und es ist sicher nicht hilfreich, dass die Gewerkschaft Verdi eine Art Kreuzzug gegen verkaufsoffene Sonntage führt. 

Veränderungen durch die Digitalisierung des Einkaufs können wir natürlich nicht verhindern, wir können sie aber beeinflussen. Und zwar dadurch, dass wir gleiche Bedingungen für alle schaffen. Der „Tag des Veedels“ am 22. November als gemeinsame Aktion von Stadt, Interessengemeinschaften und großen Partnern in der Stadtgesellschaft ist eine gute Gelegenheit, ein gemeinsames Zeichen zu setzen.

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