Die duale Ausbildung als Standortvorteil – für die Gleichbehandlung von Azubis und Studenten

Handwerk bietet mehr als Schüler ahnen

In Gesprächen mit jungen Leuten stelle ich fest, dass viele, gefragt nach ihren Berufsplänen, immer noch irgendwas mit Medien machen wollen. Irgendetwas studieren, um dann vielleicht Social Media Redakteur zu werden – leider oft in einem prekären Arbeitsverhältnis. Beliebt sind daneben auch Jura und BWL. Statt eines Studiums eine Ausbildung zu machen, haben Abiturienten meist nicht auf dem Schirm. Und so platzen die Universitäten aus allen Nähten, während Handwerksbetriebe zwar volle Auftragsbücher haben, jedoch verzweifelt nach qualifiziertem Nachwuchs suchen. 

Wir als CDU in NRW haben lange schon erkannt, dass viel getan werden muss, um das Image der Ausbildungsberufe zu verbessern. Mittelständische Betriebe sind zuverlässige Arbeitgeber und Säulen unsere Gesellschaft, sie können auf die Unterstützung der Koalition in NRW zählen.

Digitale Perspektiven im Handwerk

Dass junge Leute denken, nur ein Studium zähle, ist kein Wunder. Jahrzehntelang ist den Menschen eingeredet worden, dass ohne Universitätsabschluss in Deutschland gar nichts gehe. Doch das ist falsch. Eine Ausbildung zu machen, kann der bessere Weg sein. Handwerksberufe werden in unserer Zeit immer digitaler, moderner und anspruchsvoller. Wer hier kreativ ist und Unternehmergeist hat, kann viel erreichen und verdienen. Ein paar Beispiele: Es gibt Konditoren, die 3D-Drucker zur Produktion von Schokoladen-Figuren einsetzen und damit ihren Umsatz steigern. Oder Tischler, die interaktive 3D-Visualisierung von Ideen und Produkten nutzen; Sattler, die durch den Gebrauch von 3D-Pferderücken-Scannern Zeit und Kosten sparen. 

Das Handwerk bietet viel mehr als viele Jugendliche ahnen, die Berufsbilder ändern sich stark und werden noch spannender. In sogenannten „Wochen des Handwerks“ an den Schulen haben wir die Idee, den Jugendlichen die Chancen näherbringen, die in den Ausbildungsberufen stecken. Wir brauchen zudem mehr Werkunterricht. 

Ein Meister ist genauso wertvoll wie ein Master

Wir als CDU haben das Ziel, Gleichbehandlung von Studenten und Auszubildenden zu erreichen. Ein Meistertitel ist genauso wertvoll wie ein universitärer Maste; ein Gesellenbrief zählt nicht weniger als ein Bachelor. In NRW haben wir deshalb, auch um ein Zeichen zu setzen, analog zum Semesterticket der Studenten, ein günstiges Azubi-Ticket für den ÖPNV im ganzen Bundesland eingeführt. 

Neue Chancen durch das Berufsabitur

Ein spannendes Projekt ist das sogenannte Berufsabitur, das seit diesem Schuljahr in NRW erprobt wird – eine Kooperation des Schulministeriums und des Westdeutschen Handwerkskammertages. Berufsabitur bedeutet: Jugendliche, die eine duale Ausbildung im Handwerk beginnen, können auf einen Doppelabschluss hinarbeiten. Vom ersten Tag an wird den Auszubildenden die Perspektive eröffnet, innerhalb von vier Jahren mit dem Gesellenbrief einen Berufsabschluss und in einem zweiten Schritt die Allgemeine Hochschulreife zu erwerben. Ihnen stehen damit alle Möglichkeiten offen. Den Betrieben bietet sich die Chance, leistungsorientierte, engagierte Jugendliche für sich zu gewinnen, die sonst an ein Gymnasium oder Berufskolleg wechseln würden. Es kann eine Win-Win-Situation werden.

Gleichbehandlung bei den Sozialausgaben

Ein wichtiger Vorschlag kommt von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer, der sich zurecht wünscht, dass Betriebe, die ausbilden, bei den Sozialausgaben entlastet werden. Azubis sollten bei der Kranken- Pflege und Unfall-Versicherung genauso behandelt werden wie Studenten, die bis zum 25. Geburtstag bei ihren Eltern mitversichert sein können. Bei der Unfallversicherung tragen die Länder die Kosten der Studenten. Über diese Ungleichbehandlung müssen wir diskutieren – genauso wie über die Kosten für Meisterkurse und Prüfungen, die für den Absolventen ungleich höher sind als die Gebühren für ein Masterstudium. 

Denn klar ist: Das Handwerk braucht die gesellschaftliche Wertschätzung, die es verdient und wir als CDU werden diese Themen in NRW voranbringen.

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