Strukturwandel als Chance – ein neues Silicon Valley zwischen Köln und Aachen

Unserem Land Nordrhein-Westfalen steht ein großer Strukturwandel bevor, den wir nicht fürchten, sondern als Chance begreifen sollten. Der Braunkohleausstieg bis 2038 ist beschlossen, der Abschluss-Bericht der Strukturkommission liegt vor. Wir kehren uns von einem der wichtigsten Energieträger ab, die Energieversorgung muss gleichzeitig gesichert werden, ohne dass die Strompreise drastisch steigen. Denn wir steigen auch aus der Atomkraft aus. Es ist ein Kraftakt, den wir in NRW aber gemeinsam bewältigen können. Mit dem Mut, Fingerspitzengefühl und Augenmaß, mit dem die Landesregierung aus CDU und FDP all ihre Aufgaben angeht.

Es geht nicht nur um den Wegfall einer der wichtigsten Energiequellen, sondern auch um die Unternehmen und Arbeitsplätze, die mit der Braunkohle zusammenhängen. All die Menschen, die jahrzehntelang ihre Beiträge dazu geleistet haben, unsere Energieversorgung zu sichern, wollen wir natürlich nicht einfach im Regen stehen lassen. Sie brauchen Unterstützung in der Zeit des Übergangs – und Perspektiven für die Zukunft.

Braunkohle wird in NRW vor allem im Rheinischen Revier abgebaut, in der Region zwischen Köln und Aachen. Den dort nötigen Strukturwandel werden wir fördern und unterstützen. Auch mit Mitteln aus dem Bund, die wir dafür fordern. Denn gemeinsam wollen wir aus dem Rheinischen Revier in der Zukunft etwas Großartiges schaffen. Einen innovativen Technologie-Standort, der Wohlstand und Beschäftigung bringt; eine europäische Modellregion für eine erfolgreiche Energiewende.

Wir sollten dabei groß denken. Die Region hat ein enormes Potenzial. Aus dem Rheinischen Revier können wir eine Art Silicon Valley zwischen Köln und Aachen machen. Einen Standort, an dem sich Branchen ansiedeln, die sich mit Zukunftstechnologien befassen, ein Beispiel: Am Kraftortstandort Weisweiler werden bereits die Möglichkeiten zur nachhaltigen Wärmegewinnung nach dem Ende der Braunkohleverstromung erkundet. In den tiefen Kalksteinvorkommen schlummert Potenzial, das ein wichtiger Baustein der Energiegewinnung werden könnte: Die Erdwärme. Es wird überhaupt darauf ankommen, Firmen und Forschung ins Rheinische Revier zu locken, die die Technologien der Zukunft anpacken.

Zum Beispiel mit Strom-Speichertechnik und mehr Teststrecken für Autonomes Fahren. Hier sehen wir vor allem große Potenziale für den Nahverkehr. Die Region, in der die Braunkohle abgebaut wurde, ist auch ein idealer Cluster für das große Thema Elektromobilität. Erste wichtige Ausgründungen aus der RWTH Aachen gibt es bereits, beim Street Scooter und dem E-Go.

Hinzukommen müssen Institute für Batterieforschung, denn wir müssen die heutige Lithium-Batterie wegen ihrer signifikanten Nachteile in Effizienz und Beschaffung überwinden und bessere Aggregate für Elektroautos finden und erfinden. Schließlich das Megathema Künstliche Intelligenz. Wir benötigen Institute und Forschungseinrichtungen im Rheinischen Revier – als der Zukunftsregion Nummer eins in NRW. Wirtschaft und Wissenschaft sollten immer voneinander profitieren, ein Ableger der TU Köln wird nach Erftstadt kommen, das steht bereits fest. Und wir brauchen mehr, zum Beispiel Institute für Cybersicherheit und Energiesysteme der Zukunft, Digitalisierung und Infrastruktur.

Auch für Köln, die größte Stadt Nordrhein-Westfalens, ergeben sich gigantische Möglichkeiten – als attraktiver Standort und Metropole in einer innovativen Region. Wir müssen die Chancen des Wandels aktiv gestalten. Wer auf Veränderung nur reagiert, kommt zu spät.