Mittelstand und Amazon: Etwas Besinnliches zum 4. Advent

Eine einfache Wahrheit ist: Wir können erst etwas verteilen, wenn es vorher verdient wurde. Ein gutes Beispiel für Dinge, die heute in der
mittelständischen Wirtschaft falsch laufen, finden wir im Handel: die Online-Spezialisten mit ihren Firmensitzen in Steuerparadiesen wachsen
und der Laden in unserem Viertel ist in der Krise.
Stadtteile und die Innenstädte leiden in den vergangenen Jahren unter deutlichen Frequenzrückgängen. Die Umsätze gehen auf breiter Front zurück.
Der Online Handel dagegen gewinnt von Jahr zu Jahr enorme Marktanteile, vor allem weil er
keinen Ladenschluss am Sonntag kennt. Die
Bedingungen sind ungleich: Die Gesetze zum Thema Sonntagsöffnung stammten aus einer Zeit als die Digitalisierung noch kein großes Thema gewesen sei.
Wir haben heute einen anderen Markt und darauf muss die Ladenöffnung eingehen. Im Schutz der Sonntagsruhe gedeiht nicht das Christentum sondern Amazon.
Dabei wissen wir:
Der lebendige Einzelhandel ist das Blut in den Adern der Stadtteile und für die Städte. Hier hängt sehr viel dran: Das bunte Leben wie in der Südstadt oder in Rodenkirchen, eine lebendige
Gastronomie, ein Zentrum für ärztliche Versorgung und nicht zuletzt auch der Wert der Immobilien in den Orten. Das heißt: wenn der Einzelhandel, wie wir ihn kennen, stirbt, fallen
Tausende von Arbeitsplätzen gerade im inhabergeführten Handel weg.
Zudem: Der Handel ist zweitwichtigster Arbeitgeber im Land. Es fallen
Steuereinnahmen weg, Innenstädte veröden und Liegenschaften werden entwertet.
Stirbt der Handel in den Städten, so stirbt ein Stück unserer abendländischen Kultur.
Wenn wir nicht alle verstehen, was sich gerade verändert, gibt es die Orte, die wir so lieben, bald nicht mehr. Für viele Einzelhändler könnte es das
Überleben bedeuten, an den Tagen zu öffnen, wenn die Kundschaft vor dem Schaufenster steht. Sonntagsarbeit ist für sechs Millionen
Beschäftigte bereits heute die Regel. Viele Restaurants öffnen am Sonntag und legen den Ruhetag auf den Montag. Acht bis Zehn geöffnete Sonntage auch für die Geschäfte wären ein gute Kompromiss. Der stationäre Handel ist gerade vor Ort ein bedeutender und über Jahrzehnte treuer Steuerzahler, der letzten Endes so dem Wohle der ganzen Stadt dient. Onlinehändler, die außerhalb von Deutschland die Gewinne versteuern, stellen einer Stadt kein Geld für Krippenplätze oder die Freiwillige Feuerwehr zur Verfügung.
Und: Die Händler vor Ort organisieren in Gemeinschaften die festliche Weihnachtsbeleuchtung oder
die Straßenfeste.
Daher müssen wir uns alle Gedanken machen, wie wir in Zukunft leben wollen. Wer nur noch im Internet einkauft, wird das Leben in den Städten
und Stadtteilen nicht mehr lange so genießen können. Jeder von uns kann also etwas dafür tun.