Klinikverbund – neue Chancen für Köln

Der geplante Verbund der Städtischen Kölner Krankenhäuser mit der Uniklinik ist eine große und spannende Idee. Die defizitären Krankenhäuser, die sich kaum aus eigener Kraft werden sanieren können, bekämen mit der Uniklinik einen seriösen und innovativen Partner an die Seite, der für alle Bürger eine Maximalversorgung anbieten und exzellente, medizinische Forschung ausbauen könnte. Andererseits könnten die Krankenhäuser ihr beachtliches Knowhow in den Verbund einbringen, wie Porz mit seinem Herz-, Merheim mit seinem Neuro- und Lungenkrebszentrum oder wie die Kinderklinik an der Amsterdamer Straße.

In Köln würde so das zweitgrößte Klinikum Deutschlands mit 15.000 Arbeitsplätzen entstehen, das den Patienten als eine „Charité des Westens“ die bestmögliche Versorgung am Puls der neuesten medizinischen Forschung und der digitalen Technik bieten könnte. Für viele ist das ein faszinierender Entwurf für unsere Stadt, der auch von Oberbürgermeisterin Reker zu Recht als Leuchtturmprojekt in den Mittelpunkt ihres Wirkens gestellt wurde.

In einem Kommentar im Kölner Stadt-Anzeiger wies Carsten Fiedler jedoch unlängst zu Recht auf die „unselige“ Neigung einiger Politiker in Köln hin, gute Ideen beerdigen zu wollen, bevor sie sich überhaupt entwickeln könnten. Es ist wenig hilfreich, wenn zuletzt einige Interessenvertreter einseitig Bedenken gegen diese Fusion äußern, ohne die Ergebnisse des von Politik und Verwaltung beauftragten Gutachtens und der darin beschlossenen betriebswirtschaftlichen Prüfung zu dem angedachten Klinikverbund überhaupt zu kennen.

Das Gutachten soll zukünftige Betriebsergebnisse, Schulden und Assets wie z.B. Grundstücke für die städtischen Entscheidungsträger bewerten und quantifizieren. Derzeit kennen wir nur die jährlichen Defizite der städtischen Kliniken von jährlich über 10 Millionen Euro und grob den Sanierungsstau in dreistelliger Millionenhöhe.

Wir als NRW-Koalition sind uns der Herausforderungen der medizinischen Daseinsvorsorge und der Krankenhausfinanzierung in unserem Land bewusst. Unser Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann steht einer optimierten Zusammenarbeit der Kölner Kliniken positiv gegenüber. Es geht überall in NRW darum, medizinische Grundversorgung zu sichern, und Behandlungsschwerpunkte für die einzelnen Häuser zu definieren und auszubauen. Schließlich müssen wir in Köln medizinische Forschung und digitale Innovationen im Gesundheitswesen zukunftsfähig etablieren.

Natürlich muss die Politik auch die möglichen Risiken eines solchen Verbunds im Auge haben. Skalierungen und schiere ökonomische Größe dürfen nie allein ausschlaggebend sein, erst recht nicht, wenn es um elementare Fragen wie die Gesundheit unserer Bürger geht.

Kosteneinsparungen sind zunächst beim gemeinsamen Einkauf und bei anderen Synergien denkbar. Vor allem befürchten einige Mitarbeiter, dass ihre Arbeitsplätze der Fusion zum Opfer fallen könnten, auch dies kann eine berechtigte Sorge sein. Meine Sorge ist größer, dass ohne den Verbund die städtischen Kliniken noch schärfere Probleme bekommen und daher weitaus mehr Jobs wegfallen würden.

Aber: Unsere städtischen Kliniken sollen ja nicht von einem privaten Unternehmen übernommen werden, sondern von der Uniklinik Köln, einer Anstalt des öffentlichen Rechts, deren Inhaber das Land Nordrhein-Westfalen ist. Falls das beauftragte Gutachten nahelegt, die Fusion weiter zu verfolgen, wird es die zentrale Aufgabe der städtischen Verwaltung sein, den Verbund der Kliniken klug zu organisieren, städtische Belange zu berücksichtigen und nachhaltig tragfähige Verträge für die Mitarbeiter und die Stadt abzuschließen. Es ist gerade auch für Köln wichtig, dass wir in unserer Stadt ein Projekt verfolgen, das zukunftsorientiert den medizinischen Standort nach vorne bringt

Lasst uns einer guten und modernen Idee eine Chance geben und sie nicht durch zu viele Bedenken im Keim ersticken.

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