Für alle ein Dienstjahr – Sommerlochthema oder wichtige Idee?

Ein Dienstjahr nach der Schule für alle jungen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland? Bei der Bundeswehr oder in einer sozialen Einrichtung? Für Frauen wie für Männer? CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine Diskussion angeschoben, die viele Menschen anspricht. Es wird jedenfalls in allen Medien seit dem Wochenende intensiv darüber diskutiert. In einer (nicht repräsentativen) Facebook-Abstimmung der CDU Köln-Süd stimmten 69 Prozent von etwa 500 Usern für ein Deutschlandjahr.

Das Thema ist spannend, wichtig und hat viele Dimensionen. Es geht um die Zukunft unseres Landes, um staatsbürgerliche Verantwortung und darum, was unsere Gesellschaft zusammenhält.
Die Wehrpflicht und damit auch der Zivildienst wurden 2011 ausgesetzt, ein nun angedachtes Dienstjahr dürfte natürlich keine günstige Methode sein, die Bundeswehr aufzustocken und Engpässe etwa in der Altenpflege zu schließen. Keinesfalls darf ein solches „Deutschlandjahr“ die Probleme in der Pflege zukleistern – und erst recht nicht die dringend notwendigen Investitionen in Geräte und Modernisierung der Bundeswehr ersetzen.

Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Identifikation mit dem Land und die Haltung junger Menschen zu ihm. Frei nach John F. Kennedy müssten sie, nachdem sie Schule absolviert haben, die Perspektive wechseln. Und nicht mehr fragen, was der Staat für sie tun kann, sondern was sie für den Staat tun könnten. Die Wahl zwischen Bundeswehr und einem Dienst in einer sozialen Einrichtung wäre frei, jeder dürfte somit selbst entscheiden, in welchem Bereich er den besten Beitrag für die Gesellschaft leisten könnte.

Denjenigen, die hier sofort abblocken und mit Begriffen wie Bevormundung, Zwangspädagogisierung oder gestohlener Lebenszeit um sich werfen, empfehle ich Gespräche mit Schülern, die ein soziales Jahr hinter sich haben. Man trifft auf junge Erwachsene mit Haltung und Erfahrung, fit für Berufsleben und Herausforderungen, die vor ihnen liegen. Von verschwendeter Zeit kann keine Rede sein. Richtig sind hingegen verfassungsrechtliche Bedenken und die Frage, ob es in Zeiten allgemeinen Arbeitskräftemangels klug wäre, jungen Menschen ihre Ausbildung erst mit einem Jahr Verzögerung zu ermöglichen. Darüber sollte man sprechen.

Das Thema ist noch frisch und neu, in der CDU befinden wir uns in der Phase der offenen Diskussion und des Gedankenaustausches. Deshalb hier eine Anregung: Warum das Dienstjahr auf deutsche Schulabgänger beschränken, warum nicht Migranten einbeziehen? Jedem jungen Menschen, der hier zur Schule gegangen ist, der in Deutschland leben und arbeiten möchte, sollte die Möglichkeit eingeräumt, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Das wäre gerecht und der Integration sowie dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dienlich. Zwingend ist natürlich ein ausgefeiltes Konzept, das dieses Dienstjahr sinnvoll und sinnstiftend für den Einzelnen und die Gesellschaft macht.

Ich würde zu dem Thema eine Volksbefragung vorschlagen, denn es geht hier um mehr als nur die Wiedereinführung der alten Wehrpflicht. Es geht darum, wie wir unser Verhältnis zu unserem Land und unserer Gesellschaft definieren wollen.