Donald Trump und Brigittes Büdchen

Wer hätte gedacht, dass ich in meinem Blog einmal auf Donald Trump referieren würde? Ich bin dem US-Präsidenten sogar in gewisser Hinsicht dankbar, denn er hat dafür gesorgt, dass an den Ostertagen über Amazon diskutiert wird, den weltgrößten Online-Händler. Amazon hat das Leben von uns allen verändert. Ökonomisch hat der Online-Riese nicht nur seinen Gründer Jeff Bezos zum reichsten Mann der Welt gemacht, sondern global für eine extreme Disruption des klassischen Handelsgeschäfts gesorgt. Trump hat den Finger in die Wunde gelegt: Amazon zahlt in den USA kaum Steuern an Bundesstaaten und Kommunen, drängt aber gleichzeitig tausende steuerzahlende Händler aus dem Geschäft.

Ich möchte mich nicht mit den Motiven befassen, die hinter Trumps Aussagen stehen könnten. Sondern mit dem hier angesprochenen grundsätzlichen Problem, das wir auch in Deutschland kennen. Bereits im Januar habe ich in einem Blog darauf hingewiesen, dass wir dringend Chancengleichheit schaffen müssen. Politik ist nicht dafür da, erfolgreiche Geschäftsmodelle zu sanktionieren. Wenn Kunden gern bei Amazon bestellen, wollen wir sie sicher nicht daran hindern oder sie womöglich moralisch unter Druck setzen. Man muss eingestehen: Amazon hat besonders zufriedene Kunden. Aber: Politik muss dafür sorgen, dass alle mit den gleichen Waffen kämpfen können.

Ich bin sehr froh, dass wir in NRW das erste „Entfesselungspaket“ beschlossen haben, das es Einzelhändlern ermöglicht, an bis zu acht Sonntagen im Jahr zu öffnen, wo dies gewünscht und möglich ist. Online kann man bekanntlich rund um die Uhr bestellen.

Lokale Einzelhändler sind nicht nur Steuerzahler, sondern auch wichtige Arbeitgeber, in unserem Bundesland für etwa 700.000 Menschen. Amazon und Co. tun dagegen so gut wie nichts für die Allgemeinheit – im Gegenteil: aufgrund der gigantisch gestiegenen Zahl ausgelieferter Pakete (im Dezember über 30 Millionen Stück am Tag) hat sich die Verkehrsleistung in den Städten massiv erhöht: Die Straßen sind zunehmend verstopft und das erhöht die Schadstoff-Emissionen. Ich wiederhole deshalb meinen Vorschlag einer Infrastruktur-Abgabe für Bestellungen bei großen Online-Händlern wie Amazon, Ebay, Alibaba etc. von fünf Prozent auf den Umsatz, die im Bezirk des Bestellers verbucht werden sollte. Denn der regionale Einzelhandel belebt im Gegensatz zum Online-Geschäft unsere Stadtzentren und Veedel.

Aus aktuellem Anlass ein Blick in die Kölner Südstadt, wo in der in den vergangenen Tagen eine wunderbare Aktion zu beobachten war. In der Merowinger Straße retteten auf Initiative von Daniel Rabe und Hans Mörtter die Anwohner das vom Bankrott bedrohte Kult-Büdchen der 73-jährigen Brigitte Schmitz, das nun frisch renoviert, ohne Mietschulden und mit neuem Sortiment wieder öffnen konnte. Es gab eine unglaubliche Hilfswelle. Der eine spendete Geld, der andere renovierte oder kümmerte sich um Werbung in den sozialen Medien. Der Online-Handel war hier nicht Ursache für die Probleme. Aber: An dieser Rettungsaktion zeigt sich, wie wichtig kleine Geschäfte für ein funktionierendes Leben in den Städten und in unseren Veedeln sind – und wie sehr die Menschen an ihnen hängen.