Digitalisierung und Energiepolitik – Megawatt trifft Megabyte

Das Wort „Digitalisierung“ ist in aller Munde. Gerade in der Politik wird sehr häufig davon geredet, dass unsere Welt immer digitaler werde, dass die Digitalisierung eine unserer größten Herausforderungen sei. Doch was genau bedeutet der Begriff in der Praxis? Ein Blick auf den Energiemarkt zeigt, welches Potenzial in der digitalen Vernetzung steckt.
Im Juli 2016 wurde vom Bundestag das „Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende“ beschlossen. Es geht dabei um den Einsatz intelligenter Mess-Systeme – für Erzeuger und deren Kunden -, durch die der Energieverbrauch kosteneffizient und sicher vorangetrieben werden soll.

Im Gegensatz zum konventionellen Zähler, bei dem der Stand in der Regel nur einmal jährlich abgelesen wird, ermöglichen es die neuen, digitalen Systeme, den Verbrauch minütlich zu erfassen und verschlüsselt an ein Smart-Meter-Gateway, einen Verteilknoten für die Verbrauchsdaten, zu übermitteln.

Die neuen Möglichkeiten
Durch die Messbarkeit des Verbrauchs nahezu in Echtzeit kann es einerseits neue, zeitabhängige Tarife geben, die sich nach dem aktuell verfügbaren Stromangebot richten. In Verbindung mit Smart-Home-Geräten können somit bei niedrigen Strompreisen zum Beispiel Waschmaschine oder Spülmaschine automatisch eingeschaltet werden. Andererseits kann ein erhöhter Bedarf im Netz an Erzeugungsanlagen wie Blockheizkraftwerke (BKHW) übermittelt werden, die dann ihre Leistungen hochfahren. Die zusätzlich erzeugte Wärme kann, wenn kein Bedarf besteht, auch für eine spätere Verwendung gespeichert werden.

Durch die gewonnenen Daten können Smart Grids, intelligente Netze, sowohl die Erzeugung als auch den Verbrauch steuern. So können bei einem Überschuss an Energie, zum Beispiel im Sommer, wenn die Sonne die Photovoltaikanlagen maximal auslastet, Verbrauchsgeräte aktiviert, E-Autos oder E-Busse geladen werden. Im Umkehrschluss können bei Engpässen Speicherheizungen als Reserve herangezogen werden, um Verbrauchspitzen abzufangen.

Noch sieht so die Realität aus. Zurzeit werden meist Schwachlasttarife angeboten, die in den Abend- und Nachtstunden günstiger sind. Das ist bereits mit konventionellen Doppeltarifzählern möglich, die vor allem bei Kunden mit Nachtstromspeicherheizungen eingesetzt werden.

Die Herausforderung
Der Einsatz der intelligenten Mess-Systeme bringt einige Herausforderungen mit sich. So muss sichergestellt werden, dass die Technik datenschutzkonform arbeitet und dass keine unverhältnismäßig hohen Kosten oder Aufwände für den Verbraucher entstehen. Ebenso darf den Kunden kein Nachteil beim Anbieterwechsel oder Umzug entstehen.

Aber auf Energielieferanten und Netzbetreiber stellt die Umstellung vor Herausforderungen. Produkte und Prozesse müssen an die neue Welt angepasst werden, vom Energieeinkauf an der Börse bis zur Abrechnung an den Kunden.

Die Vision
Auch wenn ihr Nutzen momentan aufgrund mangelnder Angebote noch begrenzt ist, sind intelligente Messsysteme wichtige Bausteine eines zukunftsfähigen und nachhaltigen Energiemarktes. Die Verknüpfung der Sektoren Energie-, Wärmeversorgung und Verkehr, die in Echtzeit erfolgen muss, ist ohne Digitalisierung gar nicht umsetzbar. Durch den Zusammenschluss der Erzeugungsanlagen zu virtuellen Kraftwerken kann ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit geleistet werden. Ohne Digitalisierung wäre das nicht möglich.