Die Herausforderung Digitalisierung für uns Politiker in NRW

 

Oliver Kehrl, Mitglied des Ausschusses für Digitalisierung und Innovation des NRW-Landtags, erklärt, wie er als CDU-Politiker mit der Herausforderung des schnellen technischen Fortschritts umgeht.

Die Herausforderung Digitalisierung für uns Politiker in NRW.

Wer eine zukunftsorientierte Politik machen will, muss zuerst begreifen, dass sich in der Wirtschaft und im öffentlichen Leben die Fortschrittsprozesse unglaublich beschleunigt haben. Der technische  Fortschritt verläuft nicht linear, sondern exponentiell. Deshalb müssen auch wir Politiker schneller werden. Rot-Grün hat das Thema in NRW in den letzten Jahren mehr oder weniger verschlafen. Wir als moderne CDU haben hingegen eine digitale Strategie für unser Bundesland, und wir sind dabei, Grundlagen zu schaffen. Der erste Schritt ist der schnelle Ausbau der Glasfaserleitungen. Auch der ländliche Raum muss mit schnellem Internet versorgt werden, niemand darf Wettbewerbsnachteile haben. Der zweite Punkt ist die elektronische Umwandlung aller behördlichen Prozesse. Der dritte Punkt: Wir wollen eine Gründer-Szene etablieren. Start-ups sind die Treiber der Innovation und des digitalen Wandels. Es gibt in NRW deshalb ein Stipendium, das wir geschaffen haben: 1000 Start-ups erhalten monatlich jeweils 1000 Euro.

Der beschleunigte Fortschritt macht vielen Menschen Angst, sie befürchten, ihre Arbeitsplätze könnten verloren gehen. Wie geht die Politik damit um?

Den Fortschritt können wir nicht aufhalten, wir können ihn aber positiv begleiten und die Digitalisierung in geordnete Bahnen lenken. Wir machen uns Gedanken über mögliche Regulatorien in einer Übergangszeit. Es könnten Roboter-Steuern sein, Steuern für Online-Plattformen oder Ähnliches. Denn natürlich sehen wir die Gefährdung bestehender Arbeitsplätze durch Automatisierung oder künstliche Intelligenz. Das Thema ist jedoch vielschichtig, es beinhaltet vor allem Chancen. Etliche einfache Tätigkeiten können irgendwann überflüssig werden. Nehmen wir das Thema Pflege. Roboter werden eines Tages Hintergrund-Arbeiten übernehmen, also zum Beispiel den Abtransport von Müll oder das Verteilen von Tabletts, dafür hat dann das medizinische Personal mehr Zeit, sich um die Patienten zu kümmern.

Welche Felder der Digitalisierung stehen im Vordergrund?

Für mich steht im Vordergrund, dass wir unsere Kinder darauf vorbereiten, wie die Welt von morgen wahrscheinlich aussehen wird. Ich wünsche mir, dass IT, also Informationstechnik, ein Schulfach wird. Die Kinder sollen nicht nur digitale Produkte konsumieren, sondern auch verstehen, was dahintersteht, programmieren und codieren lernen. 3D-Drucker müssen als Lernmittel eingesetzt werden. Auch das Thema „Künstliche Intelligenz“ muss in den Unterricht, so wie es in China bereits geschieht. Man wird hier wahrscheinlich zum Teil auf externe Coaches zurückgreifen müssen, denn es dauert zu lange, bis dafür alle Lehrer ausgebildet sind. Wir brauchen überhaupt Hilfe und Kooperationen mit Unternehmen. Wie in Köln, wo sich NetCologne nicht nur darum kümmert, dass Schulen schnelles Internet bekommen, sondern auch die Wartung der Netze übernimmt.

Woran wird in NRW bereits geforscht?

Ich kann als ein Bespiel den TÜV Rheinland nennen, der sich sehr viel mit Digitalisierung befasst und einen Schwerpunkt bei Cyber-Sicherheit und Datenschutz setzt. Das Thema ist sehr wichtig, da es künftig vor allem um Software, Service und Daten gehen wird. Der TÜV Rheinland wird zum Beispiel irgendwann Anlagen wie Aufzüge digital aus der Ferne warten können, da sie sich melden, wenn es an der Zeit ist. Das Internet der Dinge, die Verbindung der physischen mit der virtuellen Welt, ist keine Vision auf einem Science-Fiction-Film, sondern bereits Realität. Wer eine zukunftsorientierte Politik für NRW machen will, muss auch das begriffen haben.

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