Bildungspolitik mit Verstand und Augenmaß – Warum ein Gymnasium in Rondorf eine gute Entscheidung ist

Es klingt verrückt, ist aber leider wahr: Wir als CDU müssen uns in diesen Tagen dafür rechtfertigen, dass in Rondorf endlich ein Gymnasium gebaut werden soll. Eine Schule, die dort dringend benötigt wird, da es im ganzen großen Stadtbezirk Rodenkirchen mit 110.000 Einwohnern bislang nur ein städtisches Gymnasium gibt. Und das hat zur Folge, dass die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit Gymnasialempfehlung auf Gymnasien außerhalb ihres Bezirks ausweichen müssen.

Andererseits besuchen 900 Schüler aus anderen Bezirken unsere beiden Gesamtschulen. Daraus folgt, dass in den anderen Bezirken Gesamtschulen fehlen. Und dort werden sie laut Schulentwicklungsplan auch gebaut, zum Beispiel in Lindenthal und in der Innenstadt.

Kritiker teilen heftig aus

Dennoch erhielten wir über den SPD-Bezirksbürgermeister einen Brief, in dem Schulleiter und Vertreter der Schulpflegschaften dieses Projekt heftig kritisieren. Sie wünschten sich statt des Gymnasiums in Rondorf eine dritte Gesamtschule im Stadtbezirk Rodenkirchen. Da sie ihren Willen nicht bekamen, teilen sie aus und sprechen den im Rat entscheidenden Politikern „jegliche Kenntnis des Sachverhalts“ ab und unterstellen „absolute Ignoranz“. CDU, Grünen und FDP im Rat wird „Hinterzimmerpolitik“ vorgeworfen.

In Wahrheit gab es transparente demokratische Beschlüsse, die nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente gefasst wurden. Mit den Stimmen von CDU, Grünen und FDP entschieden sich Schulausschuss und Stadtrat im Herbst 2018 für ein Gymnasium für Rondorf. Auf der letzten Sitzung des Schulausschusses am 28. Januar wurde der stadtweite Schulentwicklungsplan noch einmal einstimmig bestätigt. Die Gesamtschulen kommen dabei nicht zu kurz. 13 dieser pädagogischen Einrichtungen stehen acht neu zu bauenden Gymnasien gegenüber.

Ideologische Befangenheit?

Uns werden zudem soziale Dünkel unterstellt, wir wollten mit dem Gymnasium in Rondorf verhindern, dass Kindern vom Kölnberg nach Rondorf kämen, war zu hören. Das ist natürlich ebenfalls grober Unfug. Wir orientieren uns an den oben genannten Notwendigkeiten und den Wünschen der Eltern. Es drängt sich vielmehr der Eindruck auf, dass in Wahrheit die Kritiker ideologisch befangen sind; vermutlich, weil sie Vorbehalte gegen Gymnasien als elitäre Anstalten hegen.

Wir setzen mit dem Schulentwicklungsplan endlich das um, was die SPD in ihrer Verantwortung für Köln über 20 Jahre verschlafen hat. Wir machen eine Schulpolitik mit Augenmaß, bei der die unterschiedlichen Interessen der Eltern und Kinder sinnvoll austariert werden, damit endlich neue Gebäude für unsere Kinder gebaut werden können. Die SPD hatte sich immer gegen private Bauträger beim Schulbau ausgesprochen – mit dem bekannten Ergebnis einer riesigen Versorgungslücke bei Grund- unter weiterführenden Schulen.

Erhöhte Nachfrage nach Rückkehr zu G-9

Jedes Kind soll die Schule besuchen können, auf der es die besten Lernerfolge erzielen kann. Deshalb brauchen wir eben nicht nur Gesamtschulen, sondern auch Gymnasien. Besonders begabte Kinder sind auf Gesamtschulen oft unterfordert. Leistungsbereitschaft und -fähigkeit auch für die globalen Herausforderungen der Zukunft sollen gefördert werden, doch wir wollen die Kinder dabei zeitlich nicht unter Druck setzen. Aus diesem Grund hat die NRW-Landesregierung vergangenes Jahr beschlossen, dass Gymnasien zum G-9-Abitur zurückzukehren können.

Diese Entscheidung zu G-9 wird die Nachfrage nach Gymnasialplätzen natürlich noch einmal rapide ansteigen lassen, da die Eltern bei G-8 oftmals die Gesamtschule auswählten, um die Kinder zeitlich nicht zu überfordern. Eine so einschneidende Reform wird die Wahl der Schultypen maßgeblich beeinflussen und den Anmeldedruck auf Gesamtschulen bedeutend reduzieren. Genau dies muss kluge und umsichtige Schulentwicklungs-Politik einplanen. Die Kritiker übersehen es gänzlich.

Das Beste für unsere Kinder

Kurz: Wir machen Politik mit Verstand, Maß und Mitte und eruieren sachlich, was das Beste für unsere Kinder ist. Deswegen werden wir uns nicht dafür entschuldigen, dass wir einen neuen Schulcampus in Rondorf mit einem Gymnasium, zwei neuen Grundschulen und drei Kitas bauen werden.

Es ist unsachlich, diese sinnvolle Schulentwicklung zu diskreditieren. Dies schadet dem Schulfrieden in unserer Stadt und vor Ort. Und es gefährdet die Möglichkeiten, dass alle Schüler im Stadtbezirk Rodenkirchen in Zukunft die bestmögliche Bildung erhalten.